
Gestern kündigten wir euch an, dass wir zusätzlich zu unserem Beitrag vom Living Games Festival 2010 noch ein Interview mit dem Veranstalter Stephan Reichart geführt haben. Und genau dieses Versprechen lösen wir jetzt ein!
In diesem Interview erklärt Stephan Reichart kurz, was es mit dem Living Games Festival im Allgemeinen auf sich hat und warum es vor drei Jahren ins Leben gerufen wurde.
Aber vor allem spricht Vio mit ihm über den Living Games Festival Award, der in diesem Jahr zum ersten Mal vergeben wurde. Aber bevor wir jetzt zuviel dieses wirklich interessanten Interviews vorweg nehmen, sollten wir das Video für sich selbst sprechen lassen.
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Ich würde aber meinen, dass nicht nur Blockbuster kulturell wertvoll sind. Unter Umständen die sogar weniger. So manches Indie Game wirkt auf mich da schon wertvoller, vor allem weil diese oft aus der Norm fallen. Blockbuster werden oft nach bewährten Schemen produziert, bei denen man kein großes Risiko eingeht. Ist das dann noch so wertvoll? Aber natürlich gehört ein jedes Spiel zur Gamer Kultur und hat somit einen gewissen kulturellen Wert. Die Quantifizierung dieses Werts ist aber sicher ein großes Problem, nicht zuletzt da es sich hierbei um ein qualitatives Maß (und eben kein quantitatives) handelt.
Was mir eben auffällt ist eine gewisse Mainstreamifizierung. Damit meine ich, dass früher, als noch nicht so viel Geld in die Entwicklung von Spielen gesteckt wurde, öfters mal ungewöhnlich(er)es produziert wurde. Das kann auch nur eine nicht dem Mainstream entsprechende Musik als Spielesoundtrack sein. Ich spiele nur sehr selten Ego Shooter (eher Jump and Runs und Action Adventures) aber mir scheint es, als würde heutzutage der Soundtrack aller dieser Spiele nur noch Metal oder Orchestral sein. Es ist zwar nichts gegen diese Musikrichtungen einzuwenden (so manch ein Orchestraler Soundtrack ist unter meinen all time favorites), aber früher gabs auch mal Electronic und andere Musikrichtungen in solchen Spielen. Man sehe z.B. Unreal 1, welches einen meiner Meinung nach extrem guten Electronic Soundtrack hat. Erst wieder Indie Spiele mit sehr kleinem Budget wie Braid verwenden wieder alternativ(er)e Musik (Musik, die ich lustiger Weise zum Teil schon in meiner Playlist hatte bevor es Braid gab – siehe magnatune.com).
PS: Warum landet man nach dem man sich auf dieser Seite einloggt in einen anderen Artikel als man zuvor war? Hätte fast schon wieder einmal den Kommentar wo falsch gepostet (nämlich bei “Prince of Persia – Erfolgreichste Videospielverfilmung”).
@Panzi: Die Sache mit der “Mainstreamisierung” ist auf jeden Fall ein interessanter Punkt. ich bin mir da allerdings nicht sicher, ob diese von Dir angesprochene Tendenz in Richtung Blockbuster = Schema F nicht eher auf subjektiver Wahrnehmung beruht. Meiner Meinung nach ist das Spielangebot heute nämlich vielfältiger und hochwertiger als je zuvor. Von kreativen Download-Perlchen bis hin zum millionenschweren Bombast-Blockbuster sehe ich eine kaum überschaubare Schwemme von Titeln für jeden Geschmack. Klar, es gibt die großen 08/15-Games, die zwar kommerziell erfolgreich sind, aber wenig innovative Eigenständigkeit bieten. Nur die gab’s vor 20 Jahren ganz genauso. Ebenfalls existieren auch 2010 Nischenspiele von Fans für Fans, Word-To-Mouth-Hits, Geheimtipps und Triple-A-Flops. Und die hatte die Software-Landschaft vor 20 Jahren ebenfalls zu bieten. Was ich damit sagen will: Die Software-Landschaft anno heute ist schlicht größer geworden – und das in jeder Hinsicht. Wenn sich heute eine Blockbuster-Studio einen kapitalen Flop leistet, stehen meinetwegen 100 Leute auf der Straße, vor 20 Jahren waren’s vielleicht nur 10. Klar, die Entwicklung von zeitgemäßer Software ist kostspieliger denn je, dafür ist aber auch der größer Absatzmarkt größer als je zuvor.
Das ist ein bisschen wie beim Fernsehen. Da gibt’s immer Leute, die jammern, dass das heutige Programm so viel schlechter sei als noch vor 20 Jahren. Richtig ist imo: Heute gibt es weit mehr Sender, damit weit mehr Konkurrenz, damit ein weit größeres Muss an Angrenzung, um konkurrenzfähig zu sein. Das Resultat dieser Marktsituation sind natürlich einerseits Mistprogramme wie Big Brother oder Mitmach-Quiz-Terror. Andererseits aber auch Special-Interest-Sendungen, die vor Jahren NIE eine Chance auf einen Sendeplatz bekommen hätten. Dieses Mehr an Vielfalt verschiebt automatisch die Qualitätsgrenzen in beide Richtungen der Skala. Und das ist auch gut so, denn so hat man als Konsument einen viel größeren Entscheidungsspielraum. Wer glaubt, dass beispielsweise die ganze 80er-Jahre-Cartoon-Kost Marke “Turtles”, “Masters of the Universe” oder “Mask” (allem trashigem Charme zum Trotz) für damalige Kids in irgend einer Hinsicht “wertvoller” gewesen sei als heutige Zeichentricksendungen wie etwa “Sponge Bob” für die aktuelle KIndergeneration, der lebt imo im Land der ewig verklärten Gestrigen
Nur mal so, hatte grad Bock, was zu schreiben
@Colin: Stimmt eigentlich was du da sagst, bei genauerer Überlegung. Also vor allem in allerletzter Zeit ist es mit den Möglichkeiten von Downloadplattformen (Steam, Xbox Live Arcade, iPhone App Store etc.) auch wieder für kleine Entwickler kostengünstig zu produzieren und distributieren. Perlen wie Aquaria, Braid etc. zeigen, dass das auch Früchte trägt (Früchte die ich zumindest bei Aquaria sogar unter Linux genießen kann – ich hab übrigens die paar Zeilen für den Rumble Support für Linux geschrieben).
Wenn man genau schaut merkt man aber das mein Rant vor allem in die Richtung Spielemusik ging. Die ist zwar zur Zeit auch nicht qualitativ schlecht, aber ich hab das Gefühl, dass sie in letzter Zeit nicht besonders außergewöhnlich ist. Die Musik im Diablo 3 Trailer wirkt stark von Bear McCrearys Arbeit in Battlestar Galactica inspiriert und lässt somit auf einiges hoffen. Das wird dann ja auch nichts außergewöhnliches mehr sein, schließlich ist es dann von etwas aus 2003 inspiriert, aber trotzdem freu ich mich auf den Soundtrack.
Hmm… Bear McCreary hat auch die Musik zu Dark Void gemacht. Nach den Schnipseln auf YouTube klingt der zwar ganz gut aber nicht so genial wie der BSG Soundtrack. Naja, John Williams hat ja auch den Star Wars Soundtrack (vor allem für IV bis VI: YAY!) und genauso den Harry Potter Soundtrack (irgendwie belanglos) gemacht. Ein guter Komponist ist wohl keine Garantie für einen herausragenden Soundtrack.
Wie auch immer, wenn man z.B. auf ocremix.org schaut sieht man das selbst heute noch immer regelmäßig gute ReMixes* zu z.B. Chrono Trigger (1995) und Zelda: Ocarina of Time (1998) erscheinen und kaum etwas zu sehr aktuellen Spielen. Das sind zwar auch orchestrale Soundtracks aber besonders gute. Das einzige was da nahe kommt ist ein anderer Zelda Titel: The Wind Waker (2002/2003). Ok das kann jetzt an meinen Geschmack liegen bzw. an dem der ReMixer auf ocremix.org, aber ich habe eben das Gefühl das in solchen Bereichen (Soundtrack) in letzter Zeit weniger Risiko eingegangen wird. Der Grund warum Braid einen so tollen Soundtrack hat ist meiner Meinung nach gerade WEIL es ein so kleines Projekt war und sich der Entwickler einfach bei magnatuen.com bedient hat.
Aber es stimmt schon, mein erster Post klingt etwas zu negativ. Es wird schon auch gutes in letzter Zeit entwickelt. Ich freu mich z.B. auch ungemein auf Portal 2. Portal ist ein geniales Spiel mit genialem Konzept und die Musik ist auch nicht schlecht. Das Endlied von Portal ist bereits ein Klassiker und ich war durchaus überrascht als ich erfahren hab, dass es von Jonathan Coulton geschrieben wurde, der ja so ganz andere geniale Lieder wie “Code Monkey” geschrieben hat. Auch finde ich Super Mario Galaxy 1+2 überaus gelungen und kreativ. Die Musik dabei ist sicher von guter Qualität, sticht aber nicht so wirklich heraus. Davon gibts auch nur einen einzigen ReMix auf ocremix.org! Von Super Mario 64 gibts zwar auch nur 8 (Chrono Trigger hat z.B. 93), trotzdem ist das immerhin das 8-fache. Gibt dafür auch einen Grund. Aus Super Mario Galaxy ist mir kein einziges herausragendes Lied im Gedächtnis, bei Super Mario 64 ist das schon anderes (”Dire, Dire Docks”, “Koopa’s Road”, …). Bei manchen älteren Teilen (World und Yoshi’s Island) gibts meiner Meinung nach teilweise sogar noch bessere.
So jetzt ist zu dem Thema aber genug gesagt.
* Ein ReMix ist eher eine Variation bzw. Neuinterpretation und kein Remix im herkömmlichen Sinne. Ein ReMix verwendet keine Samples aus dem Original (oder nur ganz wenige quasi als Zitat) und ist oft auch in einer anderen Musikrichtung als das Original gehalten.